Du möchtest jetzt deinem Garten Leben einhauchen, auf Entdeckungsreise gehen durch hohes Gras, mit Vogelgezwitschere im Hintergrund, deinen Kindern mehr hinterlassen, als ein Sparbuch?
Du willst etwas tun, hast aber keine Zeit, keine Kraft, keine Ideen?
Beim Blick vom Balkon in deinen Garten mit Schotter, Plastikzaun und akkurat geschnittenen Rasen in sattem Kunstdünger-Grün überkommt dich ein gewisses "Gefängnis- Innenhof-Feeling"?
Dir ist jetzt bewusst, dass du Insekten und andere Tiere schredderst, zu Tode quälst, wenn du deinen Rasen vertikutierst oder auf wenige Zentimeter stutzt?
Dann lass den Rasenmäher und Freischneider stehen! Tu einfach mal ein ganzes Gartenjahr nichts und entdecke, welche Gäste plötzlich in deinen Garten einziehen, wie die Natur sich Stück für Stück das zurück holt, was ihr genommen wurde. Leg dich in den Liegestuhl und lausche auf das Krabbeln und Rascheln, das leise Fiepen und Summen!
Und falls deine Zäune bodentief angebracht sind, mache Durchgänge mit einem Durchmesser von etwa 12 x 12 cm hinein, damit dich auch Igel besuchen können.
Natürlich kann man nicht ewig nichts tut, denn dann wird schnell die Wiese zum Wald, alles verbuscht, irgend eine durchsetzungsstarke Pflanze würde die Herrschaft übernehmen, und wenn das Disteln oder Brennnesseln wären, hätte der Nachbar sicher auch keinen Spaß daran.
Wenn du magst, fange langsam an! Vielleicht legst du erst einmal ein paar Äste in die Ecke und lässt darum herum das Gras wachsen. Du wirst staunen, wie schnell Insekten und winzige Krabbler dieses kleine Stück in Beschlag nehmen. Du wirst grüne, rote, schwarze und gelbe Käfer entdecken, Käfer, die du zuvor noch nie gesehen hast.
Wie wichtig Totholz ist, habe ich ja bereits im Kapitel "Strukturen für Tiere" beschrieben. Holz findet man immer, und zur Not fragt man, wenn man Baumfäller bei der Arbeit sieht.
In diesen Totholzstamm sind bereits Holzbienen eingezogen.
Muss dann tatsächlich mal ein Schnitt an Hecken oder Bäumen erfolgen (bitte die Verbotszeiten beachten!), kann man das Holz zu einem Benjeswall schichten, oder gleich eine schöne Benjeshecke daraus bauen. Anleitungen dazu finden man im Internet.
Man muss kein riesengroßes Insektenhotel bauen. Eine alte Konservendose, in die man ein wenig Gips füllt, worin man dann ein paar Nistrohre steckt, reicht völlig aus. Auch Strangfalzziegel kann man den Wildbienen anbieten, oder aber Brombeerranken aufstellen. Man wird sehen, wie schnell diese besiedelt werden. Wer noch Lust hat, kann eine Lehmwand bauen. Auch das geht eigentlich schnell und problemlos.
An diesen Löchern habe ich schon die Blattschneiderbienen beim Einbringen von kleinen Blattstücken beobachten können.
Bei Spaziergängen sammle ich gerne Natursteine vom Acker und schichte sie auf. Hier warte ich auf erste Eidechsen.
Es muss noch einmal deutlich gesagt werden: Wir haben ein dramatisches Insektensterben. Wollen wir Igeln, Vögeln, Eidechsen und anderen Tieren helfen, müssen wir beim Insektenschutz anfangen.
Wer sich näher mit dem Insektensterben befassen möchte, möge sich im Internet über die Krefelder Studie informieren.
Dies ist ein ganz einfach gebautes "Insektenhotel". Es besteht aus Nisthülsen in unterschiedlichen Größen und sollte regengeschützt in der Sonne Richtung Süden angebracht werden. Es muss fest angebracht werden, darf also nicht schaukeln bei Wind. Hier nisten nicht nur unterschiedliche Wildbienen, sondern sie suchen darin auch Schutz vor Regen und Kälte. Die Nisthülsen kann man im Internet kaufen. Das Gefäß ist eine einfache Konservendose. Bitte das Insektenhotel im Winter nicht ins Warme bringen! Es bleibt an Ort und Stelle, bis die Wildbienen im darauffolgenden Jahr schlüpfen.
Interessant ist es, hier die Brutschmarotzer, wie die Goldwespe, oder den Trauerschweber zu beobachten, die regelmäßig diese Einrichtungen besuchen und die Brut parasitieren.
Auch das ist Lebensraum: Vertrocknete Blütenstände im Winter. Sie werden dringend gebraucht, damit die Insekten vor dem Frost geschützt sind und sich in Halmen und Blüten verkriechen können. Eigentlich sollte man alles bis in den April stehen lassen, doch hin und wieder ist es nötig, die verwelkten Stauden schon etwas zeitiger im Frühling zu schneiden, damit andere nachwachsende Pflanzen Licht und Sonne abbekommen. Dann ist man gut beraten, zum Schutz der überwinternden Insekten, die vertrockneten Halme und Blüten nach dem Schnitt locker in einer Ecke des Gartens zu lagern.
Collage aus Vorher- und Nachher-Bildern:
Ein Hummelhaus mit Wachsmottenklappe kann man kaufen, oder aber selbst bauen. Die Dekoration aus Moos und Laub habe ich mit meinen Enkeln gesammelt. So schön unter natürlichen Materialien versteckt und im Schatten der Brombeeren und Wildrosen aufgestellt, fällt das Hummelhaus kaum auf und wird sicherlich bald von einer Hummelkönigin bezogen.
Seht ihr unter dem Laub und Moos noch den kleinen pinkfarbenen Eingang? Die Hummel findet ihn!
Für die Ohrwürmer kann man einen umgestülpten Tontopf mit Holzwolle aufhängen, oder einen Florfliegenkasten für die gegen Blattläuse nützlichen Florfliegen (siehe Foto) aufstellen. Kleine, einfache Hilfen mit großer Wirkung!
Vieles kann man mit den Kindern basteln, und es macht großen Spaß, mit ihnen draußen im Garten etwas für unsere Tiere zu tun.
Wie wäre es mit einem Käferkeller, oder einem Sandarium? Bauanleitungen dazu findest du im Internet.
Und wenn es in den Fingern juckt, du unbedingt mehr tun möchtest in deinem Garten, wenn du für "Ordnung" sorgen willst, dann denke an das Leben, das du vernichtet, wenn du den Häcksler bedienst! Die Natur hat ihre eigene Ordnung. Es ist der Mensch, der diese Ordnung durcheinander gebracht hat. Werde zum Lebensretter und schichte das, was du häckseln wolltest, in einer Ecke des Gartens auf! Lade dir Insekten- und Pflanzen-Erkennungsapps auf dein Handy und überprüfe, ob nicht gerade dieses eine Kraut, das du entfernen wolltest, für ein ganz bestimmtes Insekt zum Überleben benötigt wird. Nimm die Kamera und fotografiere und erfreue dich an den Bildern, auch dann noch, wenn nichts mehr blüht und summt. Bewahre die Bilder nicht nur in einem Ordner oder in Dateien, sondern in deinem Herzen! Dort bleiben sie für immer.
Und wenn sich dann nach und nach dein Garten verändert, wirst du dich verändern und feststellen, dass dein Garten spannender ist, als der beste Krimi im Fernseher. Beim täglichen Gang über die Wiese, auf der jetzt Blumen wachsen dürfen, beim Blick auf all die wilden Ecken wirst du immer wieder Neues entdecken. Du wirst nach einiger Zeit unterscheiden können, ob das laute Dröhnen und die Fluggeräusche von einem Rosenkäfer, der Schwarzen Holzbiene, oder der Hornisse kommen. Ja, du wirst sogar die Unterhaltung der kleinen Spitzmäuse vernehmen und sie vom Fiepen anderer Mäuse unterscheiden können. Nach einer Weile weißt du, wo die Spitzmäuse wohnen, wo sich die Ringelnattern und Blindschleichen verkriechen, und wo die Molche ihren Winterschlaf machen. Dann nimm andere an die Hand und zeige ihnen deine kleinen Wunder! DU hast ein Paradies geschaffen, für dich und deine Kinder. DU wirst jeden Tag neue kleine Gäste entdecken, DU wirst ihre Melodie erkennen und das Leuchten sehen in den Augen der Kinder, wenn sie mit dir suchen, finden und staunen.
Gemeinsam sind wir stark! Die Fläche unserer Gärten insgesamt ist größer als alle Naturschutzgebiete Deutschlands zusammen.