Geht man durch den Ort, vorbei an Schottergärten, bodentiefen Zäunen ohne Durchlass für das kleinste Tier, oft noch eingerahmt von Kirschlorbeer, Thujen, Forsythie und sonstige, für die Natur völlig wertlose Sträucher, bekommt man Angst um diese winzigen Stachler, um die sich heute viele tierliebe Menschen in Päppler- und Auffangstationen in ganz Deutschland kümmern.
(Foto: Olina, gefunden Anfang März mit 275 gr.)
Die Igel verhungern, weil sie in unseren gepflegten Gärten keine Nahrung mehr finden. Von Schnecken, die sie eher meiden, werden sie krank.
Sie werden skalpiert vom Mähroboter, geköpft vom Freischneider und von Motorsägen, oder verlieren bei unachtsamen Gartenarbeiten ihre Schlaf- und Überwinterungsplätze. Sie sind unschuldige Opfer des Insektensterbens, des Schotters, der akkurat gestylten Gärten und öffentlichen Grünanlagen.
Abgemagert, tiefe Schnittwunden, abgetrennte Gliedmaßen...... - das Leid dieser kleinen Gartenbewohner ist unermesslich.
Und dabei wäre es so einfach....
.............. etwas zu tun für diese kleinen, schützenswerten Wesen.
Drei Hohlblocksteine, Stroh und/oder trockenes Laub in die Mitte, oben drauf ein wasserdichtes Dach, ggf. mit einer Plane fixiert, unter Reisig und ein paar dickeren Ästen gut versteckt, und fertig ist ein trockener Igelschlafplatz. Selbstverständlich kann man auch rattensichere Futterplätze und Schlafhäuser im Handel erwerben. Beispiele findet ihr weiter unten.
Gerne verkriechen sich Igel auch unter Europaletten, in Komposthaufen, unter Hecken und Totholz. Bei Gefahr flüchtet der Igel meist nicht. Er rollt sich zusammen und wartet ab. Deshalb ist es so wichtig, bei anstehenden Gartenarbeiten die entsprechenden Stellen vorher abzusuchen
Irwins Geschichte, stellvertretend für so viele Igel, die von der Igelhilfe in Weilmünster gerettet wurden:
Krank, geschwächt, viel zu mager für den Winterschlaf wurde Irwin zur Igelhilfe gebracht. Liebevoll gepäppelt, fachkundig versorgt und auf über 900 gr. zugefüttert darf er nun in einem sicheren Außengehege (Foto) in meinem Garten seinen Winterschlaf antreten.
Im Frühling, wenn es in der Natur wieder genügend Futter gibt, wird das Außengehege geöffnet und Irwin darf in den umliegenden Gärten auf Wanderschaft gehen.
Bitte nicht ohne Grund im Sommer einen gut genährten Igel, der abends oder nachts auf Futtersuche in seinem Revier unterwegs ist, mitnehmen! Es könnte ein säugendes Weibchen sein. Es ist außerdem verboten, gesunde Wildtiere aus ihrem natürlichen Habtiat zu entnehmen und einzusperren. Gerne dürft ihr zufüttern mit Katzenfutter (ohne Soße, ohne Gemüse, ohne Getreide, und mit möglichst 80 % Fleischanteil) Sie mögen auch schlabberig gebratenes, ungewürztes Rührei und Hackfleisch. Wasser sollte immer bereit stehen.
Bitte keinesfalls Milch oder Milchprodukte füttern! Auch kein Obst, oder Getreide, kein Gemüse, und wegen des viel zu hohen Getreideanteils auch kein Igel-Trockenfutter aus dem Handel.
Auf dem Foto seht ihr ein Igelschlafhaus, das mit Stroh und/oder trockenem Laub (bitte kein Heu!) befüllt werden sollte, sowie ein Futterhaus mit zwei Rattenklappen.
Neben verschiedenen Schlafplätzen, empfiehlt es sich auch, den Garten "igelsicher " zu machen: Ausstieghilfen in Teiche, kleine Treppen über Abbruchkanten oder steile Hänge stellen, und Zäune, wie hier den Bauzaun, der zur Kindersicherung temporär am großen Teich steht, höher zu stellen, damit Igel darunter hindurch kommen und nicht zwischen den Stäben steckenbleiben.
Igelunterkünfte sollten versteckt und schattig stehen.