Sogenanntes "Unkraut" und andere wichtige Pflanzen im Naturgarten:
In der Mitte des Bildes ist eine Bindensandbiene auf Futtersuche in meinem Beet aus Vogelmiere und Taubnessel zu sehen. Unvorstellbar, wie viele noch wesentlich kleinere Wildbienen ich in diesem Beet beobachten konnte, an Pflanzen, die ich früher aus Unwissenheit einfach herausgerissen habe. Jetzt dürfen sich bei mir ganze Teppiche aus Vogelmiere und Taubnesseln ausbreiten.
Neben frühen Nektarspendern wie Huflattich, Taubnessel und Vogelmiere, sollten auch Brennnesseln, Knoblauchrauke, verschiedene Labkräuter, Klee- und Ampherarten, Löwenzahn, Disteln und Wegeriche, die z.T. auch als Raupenfutterpflanzen dienen, in keinem Naturgarten fehlen.
Seitdem ich weiß, dass die Knoblauchsrauke eine der wichtigsten Raupenfutterpflanzen des Aurorafalters ist, und ich an dieser Pflanze die Paarung (Bild!) dieser wunderschönen Falter beobachten konnte, steht sie bei mir unter einem besonderen Schutz und darf wachsen.
Früher habe ich diese Pflanze für "Unkraut" gehalten und entfernt.
Dass die Brennnessel von ganz vielen Raupen der Tag- und Nachtfalter die überlebenswichtigste Nahrung ist, ist inzwischen allgemein bekannt. Was viele nicht wissen: Es geht um die Große Brennnessel (Urtica dioica), und nicht um die kleinere Art (Urtica urens). Bei mir leben in den Brennnesseln auch zahlreiche Käfer- und Wanzenarten.
Gräser, wie bspw. Trespe, Rispe, und selbst die Quecke sind ebenfalls für bestimmte Raupen überlebenswichtig. Auch dürfen bei mir für sie kontrolliert immer Ampher und Disteln wachsen. Für den Kohlweißling habe ich extra Kohl gepflanzt.
Die ersten Bienen, die bereits Ende Februar/Anfang März aus ihren Kokons krabbeln, sind die Männchen der Gehörnten Mauerbienen. Sie brauchen direkt Futter in unmittelbarer Nähe.
Einmal gepflanzt kommen die Blumen jedes Jahr auf´s Neue und vermehren sich ohne unser Zutun.
Dieses Bild der Frühblüher entstand Mitte Februar. Von links nach rechts sieht man Huflattich, Leberblümchen, Wildkrokusse zwischen Taubnesseln, Hyazinthen und Schneeglöckchen.
Gerade die Frühblüher wie auf dem Bild zu sehen, aber auch die Spätblüher, wie Efeu, Herbstaster und Fette Henne sind für die Versorgung der Insekten unverzichtbar.
Leider gibt es trotz meiner Bemühungen, sie gänzlich zu entfernen, in meinem Garten noch immer Forsythie, Hortensien, Azaleen, Kirschlorbeer und andere völlig nutzlose, wenn nicht sogar schädliche Pflanzen, wenn man die mögliche unkontrollierte Ausbreitung berücksichtigt. Als sie vor einigen Jahrzehnten gepflanzt wurden, waren Begriffe wie Artensterben und Biodiversität noch nicht aktuell. Heute erreichen uns immer mehr Informationen über Schäden, die durch Lichtverschmutzung, Schotterflächen, Einsatz von Pestiziden und dem Verlust der Lebensräume hervorgerufen werden, und immer mehr Menschen sind bemüht, etwas dagegen zu tun. Durch o.g. "Lichtverschmutzung" durch gerade in Gärten oft unnötig eingesetzter künstlicher Lichtquellen, kommen Falter und Käfer zu Tode und wird es in ein paar Jahren vielleicht keine Glühwürmchen mehr in unseren Gärten geben.
Jeder Quadratmeter zählt, und selbst wenn eine Pflanze, die nicht heimisch ist, nicht unbedingt direkt Schaden anrichtet, so tut sie doch eines: Sie raubt den Platz für alles, was jetzt zählt für unsere Insekten und den anderen Tieren in unseren Gärten und Landschaften.
Ich möchte auf den nachfolgenden Bildern einige Blattrosetten wichtiger Pflanzen im Naturgarten vorstellen. Alle hier vorgestellten Pflanzen leisten einen bedeutenden Beitrag bei der Versorgung der Insekten, sei es als Futterpflanze für Raupen, oder aber aber als Nektar spendende Pflanze für Wildbienen und andere Insekten. Ein Teil der Pflanzen zählt leider (noch immer) zu den sogenannten Unkräutern. Die Bilder wurden Ende Februar an einem nasskalten Tag in meinem Garten gemacht, in einer Zeit also, in der die ersten Blattrosetten bereits sichtbar und zuzuordnen sind.
Jeweils von links oben nach rechts unten:
- Stinkender Strochenschnabel
- Wilde Möhre
- Färberkamille
Die Wilde Möhre hatte ich bis vor drei Jahren noch nicht in meinem Garten, bis ich las, dass es eine wichtige Futterpflanze für die Raupe des Schwalbenschwanzes ist. Ich habe also einen kleine Pflanze im Topf gekauft, und inzwischen muss ich aufpassen, dass die Wilde Möhre nicht durch Selbstaussaat meinen Garten erobert. Sie wächst jetzt an vielen Stellen und wird von zahlreichen Insektenarten besucht. Gleiches gilt für die gelb blühende Färberkamille, die sich über Selbstaussaat verbreitet. Der Stinkende Storchenschnabel wird von kleineren Wildbienen bevorzugt.
- Herzgespannkraut
- Bergflockenblume
- Kleine Braunelle
Das Herzgespannkraut habe ich vorgezogen und vor etwa zwei Jahren gepflanzt, nachdem ich gelesen hatte, wie wichtig sie für langrüsselige Insekten ist. Auch die Bergflockenblume hat sich durch Wurzelausläufer gut vermehrt und ich freue mich über die lange Blütezeit bis in den Herbst hinein. Die kleine Braunelle wächst an mehreren Stellen in der Wiese.
- Knoblauchsrauke
- Magerwiesenmargerite
- Taubnessel
Die Knoblauchsrauke (für ganz viele Menschen ein Unkraut) ist eine meiner Lieblingspflanzen, weil sie von unglaublich vielen Aurorafaltern in meinem Garten aufgesucht wird, deren Raupen sie als Futterpflanzen brauchen. Auf der Margerite treffe ich neben vielen Wanzen und Wildbienen immer wieder die Veränderliche Krabbenspinne an, die ihre Farbe der Blüte anpasst und auf diese Weise gut getarnt Insekten fängt. Einige Fotos von diesen Spinnen mit ihrer Beute sind in der Galerie zu sehen. Die Taubnessel wird gerne von Hummeln und anderen Wildbienen angeflogen.
- Königskerze
- Wilde Karde
- Weiße Lichtnelke
Auf der Königskerze konnte ich häufig verschiedene Wespen- und Wanzenarten beobachten. Auf den Königkskerzenmönch warte ich noch. Im Herbst schneide ich nur die Blüte ab, da die markhaltigen Stiele gerne von Insekten zum Überwintern genutzt werden. Die Wilde Karde habe ich als Topfpflanze gekauft. Sie wird in diesem Sommer zum ersten Mal blühen. An den vertrockneten Blüten der Weißen Lichtnelke, konnte ich mehrere Raupen der Lichtnelkeneule erkennen.
- Natternkopf
- Wilde Malve
- Wegwarte
Alle o.g. Pflanzen wachsen im Magerbeet aus Kalkschotter, wenig Erde und Sand.
Auch den Natternkopf mag ich sehr gerne. Die Natternkopf-Mauerbiene braucht ihn als Futterpflanze für ihre Brut, und ich konnte ganze Schwärme dieser kleinen Wildbienen daran ausmachen. Deshalb achte ich auch darauf, dass sie jedes Jahr wieder blüht. Diese Wildbiene steht übrigens schon auf der Liste der bedrohten Arten.
Die Wilde Malve hat sich sehr gut selbst ausgesät und hat Besuch von zahlreichen Insekten.
Das Besondere der Wegwarte ist, dass man ihre Blätter sehr leicht mit Löwenzahn verwechselt. Dann lohnt es sich, mit den Fingern sanft über die Blattunterseite zu fahren. Diese ist bei der Wegwarte leicht behaart.
- Bartnelke
- Wilder Dost
- Muskatellersalbei
Bartnelken und Wilder Dost werden sehr gerne von Schmetterlingen angeflogen. An den Bartnelken sehe ich häufig das Taubenschwänzchen.
Ein paar Ableger des Muskatellersalbeis bekam ich von einer Freundin. Über Samen habe ich die Pflanze an mehreren Stellen im Garten vermehrt. Sie ist die absolute Lieblingspflanze der Schwarzen Holzbiene.
Bitte beachten: Sowohl Bartnelken, als auch Muskatellersalbei sind nicht heimisch.
- Akelei
- Lanzett-Kratzdistel
- Vogelmiere
Auch die anspruchslose Akelei vermehr sich über Selbstaussaat weiter. Zwei oder drei Lanzettdisteln dürfen in meinem Garten wachsen, denn die Fruchtstände mag der Stieglitz. Auch den Distelfalter konnte ich hier schon ausmachen. 95 unterschiedliche Wildbienen besuchen sie, 18 verschiedene Raupenarten nutzen die Kratzdistel als Futterpflanze.
Die Vogelmiere (früher als "Unkraut" herausgerissen) erfreut mich im Frühjahr mit dem Besuch von zahlreichen winzig kleinen Wildbienen.
- Ehrenpreis
- Wiesenlabkraut
- Woll-Ziest
An den winzig kleinen Blüten des Ehrenpreis konnte ich im Frühling ganz viele ebenso winzige Wildbienen beobachten. Im Sommer 2023 konnte ich am Ehrenpreis zum ersten Mal die seltene BLAUE Ehrenpreissandbiene beobachten. Sie ist monophag, das heißt, für die Versorgung ihres Nachwuchses auf Ehrenpreis angewiesen. Im Gegensatz zu ihr ist die ROTE Ehrenpreissandbiene noch häufig und in Bezug auf die Pflanzen nicht wählerisch, also polyphag.
Das Wiesenlabkraut darf wachsen, weil es für die Raupen verschiedener Falter benötigt wird, u.a. auch für die Raupe des Taubenschwänzchens.
Am Wollziest nagen gerne die Wollbienen den zarten Flaum ab. Sie benötigen diesen zum Nestbau.
- Scharbockskraut
- Gundermann
- Lungenkraut
Das Scharbockskraut wird in wenigen Wochen die Wegränder in meinem Garten in einen gelben Blütenteppich für Bienen und andere Insekten verwandeln. Auch der Efeu-Gundermann blüht sehr früh im Jahr und ist eine ausgesprochene Bienenweide. Das Lungenkraut wird im März sehr gerne von verschiedenen Hummelarten, Pelzbienen und Wollschweber angeflogen.
- Kriechender Günsel
- Knoblauchsrauke
- Kriechender Hahnenfuß
Alles "Unkraut"?
Mitnichten! Zugegeben aber: Der kriechende Hahnenfuß kann schon sehr aufdringlich in die Beete wachsen. Selbst ich muss ihn ein wenig in die Schranken weisen. Eine schöne, gelb blühende Nektarpflanze ist es trotzdem, und zudem überlebenswichtig für die Hahnenfuß-Scherenbiene.
- Kornrade
- Wilde Karde
- Fingerhut
Die Kornrade habe ich selbst ausgesät, und ihre wunderschönen Blüten werden von zahlreichen Schmetterlingen besucht.
Der Fingerhut wächst sehr gerne im Halbschatten und zieht besonders Hummeln an.
- Braunwurz
- Magerwiesenmargerite
- Wiesen-Witwenblume
Die Braunwurz habe ich an den Teichrand geflanzt für den Braunwurz-Mönch. Dieser ist noch nicht eingezogen, dafür durfte ich aber im letzten Sommer die Braunwurz-Blattwespe daran ausmachen.
Die Wiesen-Witwenblume ist eine wunderschöne blau blühende Schönheit und neben der Taubenskabiose die ALLEINIGE Futterpflanze der Knautien- Sandbiene.
- Nelkenwurz
- Klettenlabkraut
- Fette Henne
Die Fette Henne, die erst im Herbst zu blühen beginnt, zeigt schon im Februar die ersten Blattrosetten. An ihr entwickeln sich die Raupen des Fetthennen-Bläulings. Diese Falterart ist fast ausgestorben. Auf ihn warte ich noch in meinem Garten.
Wie andere Labkräuter darf auch für die Schmetterlingsraupen das Klettenlabkraut bei mir kontrolliert wachsen.
- Stumpfblättriger Ampher
- Wiesensalbei
- Vogelmiere
Auch den Stumpfblättrigen Ampher muss man wegen der starken Selbstaussaat ein wenig beobachten. Er darf als Raupenfutterpflanze kontrolliert wachsen.
- Gilbweiderich
- Giersch
- Schafgarbe
Der Gilbweiderich hat bei mir in Sachen Verbreitung eine Sondergenehmigung, nachdem mein ältester Enkel daran die Schenkelbiene entdeckt hat, die diese Pflanze zum Überleben braucht. Mehr dazu im Kapitel "Kinder im Naturgarten".
An den Blüten des Giersch leben bei mir ganze Streifenwanzen-Familien. Hin und wieder stehle ich ihnen für ein Pesto ein paar Blätter.
Die Schafgarbe, so denke ich, darf auf keiner Wiese fehlen. 82 unterschiedliche Wildbienenarten nutzen sie als Futterpflanze, 39 Raupenarten fressen an ihr.
- Lein
- Steinsame
Der Lein ist in unserer Natur kaum noch anzutreffen und steht deshalb auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzen. Die wunderschönen blauen Blüten ziehen die Insekten magisch an.
Auch der Steinsame, der relativ früh blau blüht, ist ein Insektenmagnet und zudem sehr anspruchslos.
- Kriechendes Fingerkraut
- Fenchel
- Heil-Ziest
Auch das gelb blühende Kriechende Fingerkraut muss man hin und wieder ein wenig bändigen. Den Fenchel habe ich in der Hoffnung gepflanzt, an ihr die Raupe des Schwalbenschwanzes zu entdecken. (Update vom Sommer 2023: zum ersten Mal die Raupe am Fenchel entdeckt)
Der Heil-Ziest ist eine blau-lila blühende Insektenweide. Hier konnte ich sehr gut die Revierkämpfe der Garten-Wollbiene beobachten.
- Zwerg-Glockenblume
- Rainfarn
- Große Brennnessel
Alle Arten der Glockenblume sind überlebenswichtig für die Glockenblumen-Scherenbiene. Ich habe diese Wildbienen sogar schon in den Blüten schlafen gesehen.
Ebenso ist der Rainfarn die einzige Nahrung für den Nachwuchs der Rainfarn-Seidenbiene.
Der Nutzen der Großen Brennnessel wurde bereits beschrieben.
- Wilde Möhre
- Zaunrübe
Die Wilde Möhre wurde bereits beschrieben.
Ohne Zaunrübe gibt es keinen Nachwuchs der Zaunrüben-Sandbiene. Ich finde an dieser Pflanze auch häufig den Zaunrüben-Marienkäfer, dessen Larven aber im Gegensatz zu seinen Verwandten keine Blattläuse vertilgen. Aber Achtung, die Pflanze ist giftig! Beide o.g. Insekten sind in der Galerie zu sehen.
- Bunte Kronwicke
Auch sie musste ich im Magerbeet im Herbst zurückschneiden, sonst hätte sie die Herrschaft übernommen. 41 Wildbienenarten besuchen sie, 19 Raupenarten nutzen sie als Futterpflanze.