Je mehr Strukturen in einem Garten zu finden sind, umso tier- und artenreicher ist er. Zu den wichtigsten Strukturen gehören Totholz, Benjeshecke, heimische Wildblumen und Gräser, Reisig- und Laubhaufen, aufgeschichtete Natursteine, Ruderalflächen, Feuchtbiotope u.v.a.m.
In einem wilden Garten finden die Tiere ganz von alleine ihre Nist- und Versteckmöglichkeiten, ihre Futterquellen.
In meinem Garten leben im Benjeswall und unter den Totholzhaufen zahlreiche Käferarten, deren Larven bis zur Entwicklung zum fertigen Käfer oft einige Jahre benötigen, Ringelnattern, Molche, Blindschleichen und die ebenfalls geschützten Spitzmäuse.
Totholz ist das wichtigste Element im Naturgarten. Deshalb sind alle Beete und selbst die beiden Teiche damit eingefasst, und in vielen Ecken des Gartens ist Totholz gestapelt.
Totholz ist nicht tot, es ist die lebendigste Struktur im Garten.
Am Rand des Teiches, einer weiteren wichtigen Struktur im Naturgarten breitet sich das Pfennigkraut aus, und im Uferbereich im Sand-Kies-Gemisch wachsen Thymian, Bartnelken, Magerwiesenmargeriten, Glockenblumen, Braunwurz, Efeu, Gundermann u.v.a.m. Schon bei der Anlage des Teiches kamen Libellen zur Eiablage, und im darauffolgenden Frühjahr konnte ich die ersten Molche und Ringelnattern darin beobachten. Natürlich leben keine Fische darin, sondern nur das, was ganz von alleine kommt. Ebenso wenig gehören Pumpe, Filter oder Springbrunnen in einen natürlichen Teich. Auch ein über den Teich gespanntes Netz richtet mehr Schaden an, als dass es nützt.
Das Magerbeet erscheint im Winter sehr trostlos. Doch der Schein trügt! Im lockeren Sand-Kalkschottergemisch entwickeln sich zwischen den Blattrosetten der heimischen Magerwiesen-Stauden Wildbienen, am Boden liegen Puppen verschiedener Insekten und im dicken Totholzstamm überwintern Holzbienen. Im Vordergrund vor den aufgeschichteten Steinen, die Eidechsen und Blindschleichen Schutz bieten sollen, wird im Sommer die Wegwarte wieder blühen. Dahinter kann man bereits die Wilde Malve, den Natternkopf, die Wilde Karde und zahlreiche andere heimische Pflanzen erkennen. Es war mir wichtig, nicht nur hier in diesem Beet, sondern auch in vielen anderen Ecken des Gartens spezielle, heimische Pflanzen für die Spezialisten unter den Wildbienen und Falter zu pflanzen, nämlich für jene unter ihnen, die eine bestimmte Pflanze für ihre Nachkommen, bzw. zum Überleben benötigen.
Wie man aus einem Teil der Fettwiese eine Magerwiese macht, ist gut auf den unterschiedlichsten Seiten im Internet nachzulesen. Ich habe die schnelle Methode verwendet und mit Pappe abgemagert.
Und so sieht dann ein Magerbeet zwei Jahre später, Anfang Juli aus: Wiesensalbei, Magerwiesenmargerite, Esparsette, Bartnelken, Akelei u.v.a.m. sind verblüht. Ihren Samen habe ich zum Teil geerntet, um ihn zu verschenken. Aktuell blühen auf dem Magerbeet Dost, Dornige Hauhechel, Natternkopf, Wilde Möhre, Königskerze, Wiesenwitwenblume, Wegwarte, Färberkamille, Wiesenflockenblume, Wilde Malve, und sehr dominant die Wilde Karde. Leider kommen wie immer auf dem Handyfoto die Farben nicht so an, wie sie in Wirklichkeit sind.
Zu den imposanten Strukturen eines Gartens gehören auch heimische Bäume, wie hier die efeuumrankte Eibe und der Benjeswall im Hintergrund. Der alte Efeu ist einer der letzten Nektar- und Pollenspender im Herbst, und man kann an ihm die Efeu-Seidenbiene beobachten, die auf die Blüten des Efeus angewiesen ist. Die Früchte der Eibe (für uns sehr giftig!) werden gerne von den Vögeln gefressen. Der Benjeswall, der durch Gras-und Baumschnitt, sowie Laub stetig wächst, bietet dem Zaunkönig eine hervorragende Möglichkeit gut versteckt darin sein Nest zu bauen.
Mut zur Unordnung
Einfach mal etwas ausprobieren, Natursteine schichten, Lehm und Sand dazwischen bauen, Strangfalzziegel und alte Schieferplatten, und es dann der Natur überlassen, wie hier direkt neben dem Brennnesselbeet in einer sonnenbeschienenen Ecke. Hier nisten Wildbienen in den Fugen, verstecken sich Spinnen, Wanzen und andere Krabbler. Direkt davor habe ich ein 60 cm tiefes Sandarium gebaut für die im Boden brütenden Wildbienen. Dort konnte ich mit meinen Enkelkindern schon Sandbienen beim Nestbau beobachten.
Hier auf diesem Bild ist ein wunderschönes Insektenhotel mit Sandarium und viel Totholz zu sehen. Das Bild durfte ich mit Genehmigung seines Besitzers für diese Seite verwenden. Nochmals DANKE! Hier wurde an alles gedacht: Es ist groß, aber nicht zu groß, im Vordergrund ist genug Material für den Nestbau und die im Boden oder Totholz lebenden Wildbienen vorhanden. Selbst an Brombeerstängel für Wildbienen, die markhaltige Stängel benötigen, wurde gedacht. Auch ein Spechtschutz ist vorhanden. Ich habe selten einen so schönen Platz, den man schon fast als Wellnesstempel für Wildbienen bezeichnen kann, gesehen.
Wichtig an dieser Stelle: Denkt bitte daran, dass die ersten Wildbienen bereits Ende Februar/Anfang März schlüpfen und direkt Nahrung brauchen. Für sie empfehle ich die Salweide, Wilde Krokusse, Leberblümchen, Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen, Scharbockskraut, Blausterne, Lungenkraut, Huflattich, Vogelmiere, Taubnessel und andere Frühblüher.
60 cm tief, 100 cm breit, Drainageschicht, und viele Schubkarren voll Sand und Lehm waren nötig, um den Nistplatz für die Bodenbrüter, ein Sandarium anzulegen. Den Rand habe ich locker bepflanzt mit anspruchlosen Bodendecker.
Das Sand-Lehmgemisch probiert man am besten vorher mit kleinen Mengen aus. Der Sand darf nicht zu schnell zusammenfallen, darf aber auch nicht zu fest sein. Die Insekten müssen sich mühelos Nistgänge graben können.
Und so kann man auf kleinstem Raum am Rand eines Miniteichs Strukturen für Tiere schaffen: Zwischen Totholz und Steinen wachsen Pfennigkraut, Huflattich, Moos, Kriechender Hahnenfuß, Quecke, Hirschzungenfarn und Braunwurz. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt, und das Bild entstand Anfang März. Schon in ein paar Wochen wird alles ganz anders aussehen.