Wildbienen im Naturgarten
In Deutschland gibt es über 550 Arten von Wildbienen, von denen 31 vom Aussterben bedroht sind, 197 Arten sind gefährdet, 42 stehen auf der Vorwarnliste. Schon im zweiten Jahr nach dem Umbau meines Gartens und der Anlage der unterschiedlichen Strukturen mit Totholz, Nisthilfen, Magerbeet und Sandarium konnte ich neben diversen Hummelarten (Hummeln gehören auch zu den Wildbienen) noch folgende Besucher innerhalb der Gruppe der Wildbienen identifizieren:
- Langhornbiene (Foto)
- Furchenbienen
- Schmalbienen
- Sandbienen
- Maskenbienen
- Wollbienen
- Holzbienen
- Schenkelbienen
- Mauerbienen
- Blattschneiderbienen
- Blutbienen
- Wespenbienen
- Seidenbienen
- Scherenbienen
- Kegelbienen
- Pelzbienen
Von diesen Arten gibt es noch verschiedene Unterarten, wie bspw. die Gehörnte Mauerbiene und die Rote Mauerbiene. Unter den Seidenbienen konnte ich die Rainfarnseidenbiene und die Efeuseidenbiene erkennen. Ich hoffe, ich habe das mit den Arten und Unterarten richtig erklärt. Falls nicht, mögen die Entomologen mir verzeihen. Ich lerne noch!
Die kleinen Wildbienen können übrigens nicht stechen, und man kann sie beruhigt über die Hand krabbeln lassen.
Ca. 75 % der Wildbienen nisten im Erd- bzw. Sandboden. Deshalb ist es wichtig, Ruderalflächen, oder ganz einfach leere Flächen im Garten zu belassen. Man hat kein Verlangen mehr nach einem Krimi, wenn man im Garten beobachtet, wie die Wollbiene mit ihren Dornen im Hinterleib aggressiv Konkurrenten vertreibt, die Hornisse Jagd auf Insekten macht, die Blattschneiderbiene mit den Stück eines Blattes meiner Wildrose wegfliegt, um ihr "Zimmer" damit zu tapezieren, und eine andere Wildbiene gerade in den Fängen der Veränderlichen Krabbenspinne (Fotos in der Galerie) vergeblich um ihr Leben kämpft. Hier im Garten spielen sich Dramen ab, hier ist man am Puls der Natur.
Viele Wildbienen sind Spezialisten und auf einige wenige, und manche davon sogar auf eine einzige Futterpflanze zur Versorgung der Nachkommen angewiesen.
Diese Pflanzen habe ich für die Spezialisten gepflanzt, also für Wildbienen, deren Fortbestand von dieser einen Pflanze abhängt. Diese speziellen Wildbienen habe ich direkt beigefügt. Viele von ihnen, auch jene, die bereits als gefährdet auf der Roten Liste geführt werden, konnte ich bereits in meinem Garten ansiedeln:
Mohn - Mohn-Mauerbiene
Gilbweiderich - Schenkelbiene
Zaunrübe - Zaunrüben-Sandbiene
Efeu - Efeu -Seidenbiene
Glockenblume -Glockenblumensägehorn- und Glockenblumen-Scherenbienen
Rainfarn - Rainfarnseidenbiene
Witwenblume -Knautien-Sandbiene
Ehrenpreis -Blaue Ehrenpreis-Sandbiene
Blutweiderich - Blutweiderichlanghorn- und Blutweiderich-Sägehornbiene
Esparsette - Esparsetten -Sägehornbiene
Hahnenfuß - Hahnenfuß--Scherenbiene
Natternkopf - Natternkopf-Mauerbiene
Anhand des Bildes der Zaunrüben-Sandbiene an ihrer Futterpflanze möchte ich einmal verdeutlichen, wie wichtig ganz spezielle Pflanzen für die Spezialisten unter den Wildbienen sind. Diese Wildbiene ist von der Zaunrübe, die vielerorts nur als lästiges Unkraut angesehen wird, abhängig, an deren Blüten sie Proviant für ihre Brut sammelt. Würde man die Zaunrübe entfernen, was ich früher übrigens selbst aus Unkenntnis gemacht habe, gäbe es keine Nachkommen mehr. Seitdem ich dies weiß, lasse ich die Zaunrübe an vielen Stellen im Garten wachsen und freue mich jeden Sommer über einige hundert Zaunrüben-Sandbienen.
Sie sind übrigens ganz besonders flink und ängstlich, und somit sehr schwer zu fotografieren.
Ende März konnte ich die erste Rote Ehrenpreis-Sandbiene beobachten. Sie ist allerdings im Gegensatz zur Blauen Ehrenpreis-Sandbiene polyphag, das heißt, für die Aufzucht ihrer Brut nicht auf eine bestimmte Pflanze angewiesen. Man findet sie aber häufig am Ehrenpreis.
Die Freude war groß, als ich an der Witwenblume die Knautien-Sandbiene ausmachen konnte. Diese seltene Wildbiene ist streng an die Witwenblume und/oder die Taubenskabiose gebunden. Sie wird auf der Roten Liste gefährdeter Arten geführt.
Auch zum Schutz der Rainfarn-Seidenbiene (siehe Foto!) achte ich darauf, dass in jedem Sommer der Rainfarn blüht, denn diese Wildbiene sammelt gerne am Rainfarn.
Wie alle kleinen Wildbienenarten kann auch diese Biene nicht stechen und man kann sie direkt von der Blüte für ein Foto (und wirklich nur auf die Schnelle für ein Foto) auf die Hand krabbeln lassen.
Es gibt noch viele andere Beispiele für Wildbienen, die auf eine einzige Futterpflanze angewiesen sind, um ihre Brut zu versorgen, und ich kenne noch lange nicht alle Wildbienen-Arten.
Mir als Nahrungsspezialisten bekannt, und in meinem Garten ebenfalls vertreten, sind die Schenkelbienen, die den Gilbweiderich brauchen, die Natternkopf-Mauerbienen, die Efeu-Seidenbienen und die Glockenblumen-Scherenbienen.
Die Rainfarn-Maskenbiene ist übrigens die Wildbiene des Jahres 2022. Auch ich habe schon Maskenbienen in meinem Garten gesehen, ob es allerdings genau diese Art war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
Gleich einige hundert Natternkopf-Mauerbienen waren im Sommer an ihrer Futterpflanze, dem Natternkopf, zu finden. Auf dem Bild wirken diesen schwarz-glänzenden Wildbienen sehr groß, sind sie doch in Wirklichkeit ziemlich klein und ungeheuer wuselig, so dass ich von Glück reden kann, sie überhaupt habe fotografieren können. Natürlich habe ich dafür gesorgt, dass sich der Natternkopf über Selbstaussaat weiter vermehrt und für die nachfolgende Generation der Natternkopf-Mauerbienen im nächsten Sommer wieder ausreichend Futter zur Verfügung steht.